Kranichbegegnungen - Kranichwelten

"Die Kraniche haben weltweit schon viele Menschen zusammengeführt und etlichen unter ihnen neben der gemeinsam erlebten Begeisterung für die „Vögel des Glücks" zu einer dauerhaften Freundschaft verholfen. So geht es auch den beiden Autoren dieses Buches. Doch bei ihnen ist noch mehr daraus geworden: ein nunmehr schon jahrzehntelanges Engagement und Interesse für die großen Vögel, die ihren Niederschlag in diesem außergewöhnlichen und schönen Buch gefunden haben. Dem Text von Günter Nowald merkt der Leser schnell an, dass hier ein Kenner aus seiner beruflichen Erfahrung als hauptamtlicher Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland und Leiter deren Kranich-Informationszentrums berichtet. …

Deren (… der Kraniche) mythische und geradezu mystische Anziehungskraft haben die Autoren in den Fotos dieses Buches meisterhaft eingefangen. Jede Lebensäußerung der Kraniche, ob einzeln im schwer zugänglichen Brutrevier, an den unterschiedlichen Sammel- und Nahrungsplätzen oder in den weiträumigen Rastgebieten – jeder eingefangene Moment ist nicht nur ein gelungenes Naturdokument, sondern auch ein kleines Kunstwerk, das die ganze Anmut und Eleganz der Kraniche zum Ausdruck bringt.

Wer Günter Nowald und Hermann Dirks zu ihren Kranichbegegnungen begleitet und in ihre Kranichwelten eintaucht, ...und spätestens dann werden sie sich hoffentlich mit Freude auch für den Schutz der so anrührend und erregend rufenden Weltenwanderer einsetzen.

(Aus dem Vorwort von Carl-Albrecht von Treuenfels)
 

 

Graukraniche Grus grus gehören zu den beeindruckendsten Tieren in Europa. Wegen ihrer eleganten und geheimnisvollen Tänze, ihrer weithin hörbaren trompetenartigen Rufe, ihrer lebenslangen Partnerschaft, Schönheit und Größe, hat der Mensch eine besondere Beziehung zu diesem Vogel entwickelt, die sich in der Mythologie, in Gedichten, Sagen und in Geschichten widerspiegelt. Kraniche sind der Inbegriff für Glück, Freiheit und unberührte Wildnis.

Der aufwändige Bildband vermittelt wesentliche Informationen über zahlreiche wichtige Kranichregionen in Europa. Es erleichtert den Lesern ebenfalls, wie bei einem Reiseführer, auf den Spuren der charismatischen Zugvögel zu wandeln.

Zug und Rast in Europa

Über Luxemburg und Lothringen (NW-Frankreich) hinweg, fliegen die Kraniche direkt zu ihrem ersten großen Rastplatz im Nordosten Frankreichs, zum Lac du Der Chantecoq, acht Kilometer südwestlich von Saint-Dizier. Der 4.800 Hektar große See entstand zu Beginn der 1970er Jahre als Hochwasser-Rückhaltebecken und wurde schnell von Vögeln als Rast- und Überwinterungsgebiet entdeckt. Allein 40.000 bis 60.000 Kraniche rasten alljährlich im November an diesem künstlichen Gewässer.

Der Rekord mit 73.000 Kranichen vom 26. November 2000 ist auf einen Zugstau, hervorgerufen durch starke südliche Winde, zurückzuführen. Um Energie zu sparen, warteten die Vögel günstigere Zugbedingungen ab…

Vom Departement Champagne-Ardenne verläuft der Zugweg diagonal über Frankreich hinweg bis in die Landes de Gascogne im Südwesten. Die großen Rastplätze Captieux und Arjuzanx sind wichtige Überwinterungsgebiete und werden wie die Laguna de Gallocanta im Nordosten Spaniens später beschrieben.

Der aktuelle Wissensstand über den großen Vogel wird in verständlicher Form dargestellt und vermittelt dem Leser Einblicke in die Brut, Rast und Überwinterung.

Brutbiologie des Graukranichs

In den 1980er und 1990er Jahren kehrten unsere heimischen Paare erst Mitte März nach Deutschland zurück und besetzten ihre Brutreviere. Heute kommen die großen Zugvögel bereits ab Anfang Februar aus ihren Überwinterungsgebieten im Südwesten Spaniens und Frankreichs zurück. Der frühere Heimzug ist auf die milden Winter und die steigende Zahl der in Frankreich überwinternden Graukraniche zurückzuführen. Der Zugweg ist dadurch viel kürzer und entsprechend schneller. Der Zeitgewinn wirkt sich positiv auf die Aufzucht der Jungen aus...

Mitteleuropäische Kraniche beginnen Ende März mit der Eiablage. Im Abstand von ein bis drei Tagen legt das Weibchen in der Regel zwei Eier (92,3 % von 650 untersuchten Gelegen), gelegentlich ein Ei (6,2 %) und äußerst selten drei Eier (1,5 %). Beide Partner bebrüten die im Durchschnitt 9,5 Zentimeter langen Eier mit einem Durchmesser von 6,2 Zentimetern (n=277). Brutablösungen finden in …

Spannende, gefühlvolle Erlebnisberichte entführen den Leser in geheimnisvolle Kranichwelten.

Im Erlenbruch bei Kranicheltern

… am nächsten Tag zeigt sich der April endlich von seiner schönsten Seite. Mild und sonnig präsentiert sich ein malerischer Morgen mit glasklarer Luft.

Ein bunter Chor zahlreicher Singvögel läutet unsere Exkursion zu den gut versteckten, heimlichen Brutkranichen ein. Thomas Fichtner, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kranich-Informationszentrums, begleitet uns. Wir zwängen uns und unsere umfangreiche Ausrüstung in den alten Kombi und fahren erwartungsvoll über Marlow in Richtung ...

Hastig und ungeduldig „unseren“ Vogel endlich wieder zu erblicken, quälen wir uns in die widerspenstigen, unbequemen Wathosen aus Gummi. Verpackt wie eine Folienkartoffel, im dunklen Olivgrün wesentlich besser getarnt aber genauso erhitzt, geht es los zur kleinen Wildnisinsel am Rande der Wiese. Der kurze Weg durch den märchenhaften Buchenwald verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Dann stehen wir schließlich vor dem fast unzugänglichen Birken-Erlenbruch. Kreuz und quer liegen abgestorbene Birken im saftigen Grün der Seggen und versperren uns den Weg. Ein weiteres Fortkommen ist nur mit großer Anstrengung möglich, zumal der Grund im knietiefen Wasser teilweise schlammig, dann wieder glatt und völlig uneben ist. Hier begrüßen uns nicht die Vögel des Glücks, sondern die ersten heißhungrigen Moskitos dieses Frühjahrs. Geleitet von unserer Wärme stoßen unzählige Staffeln dieser kleinen Plagegeister gierig auf uns hernieder. Vergeblich versuchen sie, mit ihren filigranen Stechwerkzeugen unsere zweite Haut zu durchbohren – erfolglos! Aufatmen können wir noch nicht, denn das lästige, hochfrequente Summen verfolgt uns weiter auf unserem schwierigen Weg durch das Feuchtgebiet...

Vorsichtig waten wir in die Richtung, wo wir den Altvogel zuerst bemerkt haben und stoßen auf ein gut verstecktes flaches etwa 60 Zentimeter großes Nest im knorrigen Wurzelgeflecht einer alten Erle. Zwei fast 10 Zentimeter große, wunderschön hellbraun gefärbte Eier mit ungleichmäßiger braungrüner Fleckung liegen in einer mit Seggenstücken und

Halmen gepolsterten Mulde. Sofort werden die Eier routiniert vermessen und gewogen…

Wir wünschen dem Leser viel Freude mit diesem Buch und zauberhafte Kranichbegegnungen – auf das die Familie von Kranichenthusiasten weiterhin wächst.

 

Kranichbegegnungen - Kranichwelten

Günther Nowald • Hermann Dirks

Reportagen, Geschichten und Fakten entlang
des westeuropäischen Zugweges

ISBN: 978-3-9809695-2-9

gebundene Ausgabe • Hardcover mit Schutzumschlag
Format 22 x 28cm • 168 Seiten • 157 Farbfotos

nur 24.90 Euro

inkl. Versand- und Portokosten
(Nur innerhalb Deutschlands)

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Die Autoren

Dr. GÜNTER NOWALD am 30. April 1962 in Marl (Nordrhein-Westfahlen) geboren, ist seit seiner ersten Kranich-Begegnung im Frühling 1988 begeisterter Kranichfan. Seit der Eröffnung im September 1996 leitet er das Kranich-Informationszentrum (Naturschutzbund Deutschland NABU e. V., Umweltstiftung WWF-Deutschland, Lufthansa) in Groß Mohrdorf bei Stralsund und koordiniert die Kranichfarbberingung und Besenderung in Deutschland. Er ist Verfasser wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Beiträge für Zeitschriften, Buchautor und leidenschaftlicher Naturfotograf.

  

HERMANN DIRKS ist am 02.12.1955 in Cloppenburg (Niedersachsen) geboren. Er arbeitet seit 1981 in der Stadtverwaltung von Löningen. Bereits 1983 wurde er vom "Kranichbazillus" befallen. Mit der Vertiefung der Leidenschaft um diesen Vogel hat er gleichgesinnte Freunde in ganz Europa gefunden. Im Jahr 2005 ist er von Kranichschutz Deutschland zum Rastplatzkoordinator für die Diepholzer Moorniederung (Niedersachsen) ernannt worden. Der Buchautor ist passionierter Naturfotograf.